Pfarre Volders - Seelsorgeraum Fritzens-Volders-Wattens
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Allerheiligen, -seelen

Damit Menschliches wächst

von Bischof Hermann Glettler  1. Nov. 2026 in der Tiroler Tageszeitung vom 1. November 2026

Ein verwundeter Engel klärt das Publikum auf: „Wos ma anschaut, des wochst – in oan drin!“ Ein starkes Stück Theater von Barbara Aschenwald erzählte heuer in Rattenberg vom Leben der Notburga von Eben, von ihrer sozialen Aufmerksamkeit und ihrem persönlichen Ringen.

Sie hatte Christus vor Augen – vermutlich deshalb war sie so entschlossen, widerständig und zärtlich zugleich. Echte Menschlichkeit ist in ihr gewachsen. Zu Allerheiligen schauen wir auf zu ihr und zu vielen anderen, die ganz bei Gott sind. Eine himmlische Community, die Mut macht.

Wir feiern mit den Heiligen nicht Heldinnen oder Siegertypen im weltlichen Sinn. Wir feiern Sanftmütige, die auf Gewalt verzichtet haben, um die Spirale des Bösen zu unterbrechen. Wir feiern Menschen, die großmütig waren im Verzeihen. Wir feiern Langmütige, die zuhören konnten und Lebenslasten mitgetragen haben. Ich denke dabei an Sr. Angela Autsch, die von Mötz direkt ins KZ deportiert wurde. Der „Engel von Auschwitz“ ließ keinen Augenblick aus, um andere zu trösten und Wunden zu versorgen.

Mit dem Hochfest Allerheiligen schauen wir auf zu denen, die Jesus nachgefolgt sind. Nicht nur mit frommen Worten, sondern mit Taten und vielen kleinen Entscheidungen. Sie hatten Gott vor Augen – und damit wuchs eine echte Menschlichkeit in ihnen.

Als Notburga Zweifel überkamen, ob ihr Weg wirklich Sinn mache, da presste ihr der Engel förmlich die Angst aus dem Herzen. Heilige machen Mut, das eigene Herz zu entängstigen und zu entfeinden. Wenn wir sie vor Augen haben, dann wächst Leben – „in oan drin“ und darüber hinaus!

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