Pfarre Volders - Seelsorgeraum Fritzens-Volders-Wattens
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H.H. Mag. Alois Juen

Leiter des Seelsorgeraumes und Pfarrprovisor von Volders

  • Verkündigung (Evangelium, Predigt, Medien, Ökumene)
  • Liturgie (Gottesdienste, Sakramente, Hirten-Funktion)
  • Diakonie (Seelsorgegespräche, Kranken-, Sterbebegleitung)
  • Leiten (Pfarrgemeinde-, Kirchenrat, regionale Verbindungen)
  • Verwalten (Pfarrbücher, Kirche, Finanzen)
     

Sprechstunde: nach Vereinbarung

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Die Leitartikel im SSR-Pfarrbrief:

„eini g’schaug“ 2021-4  Herbst

Sie haben ihre Stimme erhoben für die Menschlichkeit, das Positive und die Freiheit - nicht aus Propaganda und Berechnung - sondern wegen ihrer Überzeugung, die im Glauben wurzelte. Deswegen wurden sie hingerichtet. Die beiden Glaubenszeugen P. Jakob Gapp (+1943) und Pfarrer Otto Neururer (+1940). Vor 25 Jahren war ihre Seligsprechung. Ihr Beispiel lebt weiter, in unserer Zeit, und wenn wir wollen auch in unserer Einstellung. Sie könnten uns folgendes sagen: Gebt Obacht, denn es gibt einen fließenden Übergang hin zum Aufgeben von eigenständigem Denken, von Eigenverantwortung und Freiheit einerseits, und zum Gefallen finden an Macht, dem Hunger und der Gier nach Macht andererseits. Das eine spielt dem anderen in die Hände. Seid aufmerksam und wehret den Anfängen, so könnten die beiden Glaubenszeugen sagen, denn ein solcher Prozess entwickelt sich „wie ein Dieb in der Nacht“, ist also nicht so einfach zu erkennen.

Der Blick auf das Jubiläum der Seligsprechung von Jakob Gapp und Otto Neururer hat uns also inspiriert bei diesem Pfarrblatt das Thema „Stimme erheben- auch wenn es für manche unangenehm ist“ zu wählen. Sie haben sich nicht den Mund verbieten lassen, und ihre Stimme kann und soll eben auch heute gehört werden.
Vereinfacht dargestellt sind zwei verschiedene Wege möglich, die etwas plakativ mit einigen Schlagworten skizziert werden können. Der eine Weg kann heißen: Kontrolle, Überwachung, Funktionieren, Elitedenken, Belohnung für das Konformgehen, Fremdbestimmung, ein sich Entziehen von Verantwortung, egozentrisch, nüchtern und kühl. Der andere Weg kann beschrieben werden mit: Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Zusammenhalt, Gemeinschaftssinn, Empathie, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Einsatz für Schwächere, Menschlichkeit, barmherzig und liebevoll. Der christliche Glaube ist eine große Hilfe, diesen Weg immer neu einzuschlagen und zu gehen. Er stärkt zudem die Zivilcourage, die Stimme zu erheben für sich selber und die Mitmenschen, gerade dort, wo dies nicht mehr so gelebt wird. Es ist dann so wie mit einem Stein, den man ins Wasser wirft und der zuerst kleinere dann größere Kreise zieht. Ganz wesentlich scheint es mir zu sein, die große Freiheit, die wir aus dem christlichen Glauben heraus haben, zu schätzen. Es gibt in unserer Glaubensgemeinschaft eine gewaltige Vielfalt und so viele Wege, die zu Gott führen. Gott selber hat uns den freien Willen geschenkt. Dieses große Gut der Freiheit sollten wir auf keinen Fall preisgeben zugunsten von Uniformität, Doktrinarismus, Fanatismus, Fundamentalismus und Radikalisierung in Kirche und Welt.

Ich wünsche uns allen viel von Gottes gutem Hl.Geist. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2021-3  Pfingsten

Als Kontrapunkt zu dem, was in vielen Gesprächen und Erfahrungen aufgrund der momentanen Situation vorherrschend ist, haben wir für dieses Pfarrblatt das Thema „lebe-liebe-lache“ gewählt. Leichter gesagt als getan, so könnte gleich entgegengehalten werden. Aber sind nicht gerade diese Themen-genauer betrachtet- zu jeder Zeit ganz wesentlich?

„Reich mir die Hand mein Leben“(W.A. Mozart, Don Giovanni) drückt die Sehnsucht nach dem, was uns leben lässt, in schöner Weise aus. Leben bleibt eine Herausforderung, eine Aufgabe und manchmal ein Kampf. Aber es ist zu wünschen, dass es lebenswert ist, bleibt oder wird - für möglichst viele. Sich gegenseitig die Hände zu reichen ist lebensnotwendig, ja überlebensnotwendig. So gehört leben und lieben zusammen. Leben heißt lieben und lieben heißt leben. Denn Liebe ist ausgerichtet auf ein Du, ein Gegenüber, das bereit ist, die Hände auszustrecken und zu reichen: für eine Aufmerksamkeit, ein Mitgefühl, eine Hilfe, eine Zärtlichkeit oder Zuwendung. Liebe gibt auch Beständigkeit und Kraft zum Durchstehen. Sie ist so wie die Luft zum Atmen. Ein Sinnspruch von Blaise Pascal bringt es auf den Punkt, ohne dabei die Bedeutung des Verstandes schmälern zu wollen: „Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand“. Echte Liebe erkennt auch, dass Leben keine Perfektion ist. Perfektionismus in jeder Hinsicht gilt ja vielfach als ganz selbstverständlich. Aber wenn etwas perfekt zu sein scheint, muss es noch lange nicht liebevoll sein.

Christlicher Glaube heißt gerade auch mit Lieblosigkeiten und Grenzen des Lebens umzugehen. Wir kommen nicht perfekt auf die Welt und wir gehen nicht perfekt von dieser Welt. Gott ist es, der letztlich alles Leben vollendet in seiner Liebe. Hat dieser Gott Humor, kann er lachen? Jedenfalls hatte Jesus Humor und er hat wohl herzhaft lachen können. Humor ist wichtig für das Leben und die Liebe und zwar in jedem Lebensalter. Er kann die Lebenszeit verlängern. Lachen tut Leib und Seele gut. Manchmal gibt es aber nichts zu lachen sondern man ist traurig oder weint. Idealerweise sollte sich dies aber nicht in Selbstmitleid und Verbitterung verhärten. Jedenfalls sind hohe Wellengänge und Stürme im Leben eher zu bewältigen, wenn eine Brise Humor dabei sein kann. Und ebenso wichtig wie das Lachen ist die Ernsthaftigkeit. Humor ist der Bruder des Ernstes, so sagt man. Lachen und Humor ist eine richtige Begabung, sollte aber nie zynisch und verletzend sein. Und über sich selber ab und zu lachen zu können verhilft zum gesunden Abstand zur eigenen Person. Zusammenfassend kann gesagt werden: Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet, aber am schnellsten hilft.

Euch allen Gottes Segen. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2021-2  Fastenzeit – Ostern

Der Tod wird nicht mehr sein (Offb21,4b) und wir werden leben, mit Christus auferstehen (2Kor4,14). Dieser österliche Ausblick betrifft natürlich in erster Linie das Ende des irdischen Lebens und dieser Welt und die Vollendung in der Auferstehung, aber nicht nur das. Denn Erfahrungen von Sterben, Tod und Grab einerseits und von Auferstehung und Leben andererseits gibt es bereits in dieser Welt und auch in dieser unserer Zeit. Sterben, Tod und Grab kann heißen: Nicht mehr weiter können, keine Aussicht haben, zerbrochene Seele, große Angst, allein sein, Krankheit, Unsicherheiten, Fragezeichen. Solche und ähnliche Erfahrungen machen nicht wenige. Und das wird noch länger eine Herausforderung für unsere Gesellschaft bleiben. Da kann eine Impfung allein, wenn sie sicher für viele einen Rettungsanker bedeutet, auch nicht die Lösung aller Probleme sein. Diese Rückkehr zur Normalität ist sie überhaupt noch möglich? Die Einschnitte und Einbrüche in vielen Bereichen sind jetzt schon so gravierend und haben fatale Folgen - für einzelne Personen und Firmen, für Gesellschaften und Staaten.

Auferstehen und Aufstehen kann da etwa heißen: eine Aufgabe sehen, einen Job finden, leistbares Wohnen und Einkaufen, vertrauen können, Förderung des Mittelstandes, Hilfe bekommen, kirchliche Strukturen verändern, ermutigt werden, zusammenhalten.

Speziell vergangenes Frühjahr wurden viele Zeichen der Hoffnung und des Miteinander gesetzt und eine Menge positiver Botschaften wurden verbreitet. So manches davon gilt es hier und heute umzusetzen, wenn die gegenwärtige Situation andauert und die damit verbundenen Folgen sich noch verschärfen, ausweiten und sich nicht so schnell besiegen lassen.

Auferstehen kann aber auch bedeuten, sich nicht einfach an eine bloße Rückkehr zur Normalität zu klammern, so in dem Sinn, dass alles wieder werden muss wie vorher, sondern die Möglichkeit zu sehen, gerade jetzt andere Schwerpunkte und Neuausrichtungen anzustreben: Statt sich auf das Haben wollen mehr auf das Sein zu konzentrieren, statt Profitgier und Konkurrenzkampf aufeinander schauen, statt Hetze eine Entschleunigung suchen, menschliches Leben und Leben generell als wertvoll und würdevoll ansehen, Menschen vom Rand der Gesellschaft in die Mitte nehmen, Schwächere nicht allein lassen, Gemeinschaft stiften, gegenseitige Achtung und Aufmerksamkeit fördern, die Lebenszeit mit anderen teilen, sich in die Glaubensgemeinschaft einbringen, mutig vorausschauen.

Aufstehen ist eine Urerfahrung. Das beginnt schon morgens nach dem Schlaf. „Hauptsache jeden Tag aufstehen können“ das ist eine Redewendung vor allem bei älteren Leuten. Aufstehen ist zudem eine Grundhaltung, ja eine notwendige Lebenseinstellung. Und weil das gemeinsame Aufstehen im oben genannten Sinn gerade in dieser Situation und Zeit für alle wünschenswert wäre, haben wir in diesem Pfarrblatt das Thema „Aufstehen in schwieriger Zeit“ gewählt.

Das Titelbild zeigt einen österlichen Ausblick: Das Leinentuch (Grabtuch) wird zum Zeichen des Lebens, und zwar auf den zu Licht gewordenen Balken des Kreuzes, umgeben von den verklärten Wunden des Leids und der Gewalt. Und alles öffnet sich nach oben hin zur Auferstehung. Dieser Glaube und die Liebe haben die Menschheit und Christenheit durch all die Jahrhunderte aufstehen und weitergehen lassen.

Euch allen Gottes Segen. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020-21-1  Advent

„Das hast du gut gemacht. Danke“ oder „Das wirst du nie schaffen.“ Wir alle wissen um die Wirkung solcher und ähnlicher Worte. Die Macht des Wortes ist das Thema dieses Pfarrblattes. Worte können ermutigen, aufbauen, helfen und trösten, sie können aber auch verletzen, Energie nehmen, nieder-schmettern.

Worte schaffen Wirklichkeit. Vielfach sind wir beeinflusst von Schlagzeilen und Meldungen, die das Negative in der Welt verbreiten – und davon gibt es ja genug – aber es gibt auch die andere Seite, von der weniger die Rede ist. Diese ist aber ebenso erwähnenswert auch im täglichen Zusammenleben und Zusammenarbeiten.

Dann gibt es die bewusst verbreiteten Unwahrheiten und Irreführungen, die fake news. Es gibt Worte der Lüge, der Verleumdung, der falschen Freundlichkeiten, der Beschimpfungen und der Täuschung. Worte sind oft wie viele Federn, die vom Winde verweht nicht mehr eingesammelt werden können. So geht es mit unbedacht ausgesprochenen Worten, die den Mund verlassen haben.

Stellen wir uns einmal vor, alle Wörter ziehen sich aus dieser Welt zurück, weil der Umgang der Menschen mit den Wörtern nicht mehr tragbar ist, und die ganze Welt würde verstummen, wäre sprachlos – so beschrieben in einem Buch von Clemens Sedmak „Das Land in dem die Wörter wohnen“. Und die Wörter kehren erst wieder in diese Welt zurück, wenn die Menschen bereit sind, Worte wieder bedacht und sorgsam zum Wohl der anderen zu gebrauchen, und sich um die Wahrheit zu bemühen. Die Welt würde dann erneut eine Chance bekommen, Sprache im ursprünglichen Sinn einzusetzen: Menschen und Völker und Kulturen zu verbinden und zusammenzuführen, Worte der Aufrichtigkeit, der Ermutigung, des Mutes, der Klarheit, der liebevollen Kritik, der Freundlichkeit, des Humors, der Mahnung und des Trostes zu verwenden.

Wenn wir uns – biblisch gesprochen – vom Geist Gottes leiten lassen, können sogar Menschen verschiedener Sprachen einander verstehen, wenn sie wollen. Das Babel der Sprachenverwirrung, die es heute wie damals gibt, wird überwunden. Das ist eine ganz aktuelle Herausforderung an uns und unseren ganzen Planeten Erde, also im Kleinen und im Großen.

Orientierung kann dabei das Wort Gottes geben. Das sind keine verstaubten Texte aus alten Zeiten, sondern Gottes Wort ist durch und durch wahrhaftig, wirksam, heilend und aktuell. Im Schöpfungsbericht heißt es: „Gott sprach … und es wurde …“. Jesus sagte etwa zum Gelähmten: „Nimm deine Bahre und geh…“. Gottes Wort schafft Wirklichkeit. Auch heute. Schenken wir dem Wort Gottes Glauben.

Ein Lied im Gotteslob fasst dies so zusammen:
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht,
es hat Hoffnung und Zukunft gebracht.
Es gibt Trost, es gibt Halt, in Bedrängnis,
Not und Ängsten,
ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

Euch allen Gotts Segen Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020 - 4 Sommer

DU BIST GERUFEN. Vieles geht von unserer  Person aus: Ich mache mir Gedanken bezüglich Schule, Beruf, Ausbildung, Freizeit, Schwerpunkte im Leben, Partnerschaft, Lebensweise, Weltanschauung usw. Ich habe meine Pläne und Vorstellungen. Oft werden wir aber auch gerufen: Menschen brauchen Hilfe, es ist etwas passiert, Freunde haben ein Anliegen, der Partner oder die Familie wollen meine Aufmerksamkeit, ein Verein wünscht, dass ich eine Leitungsaufgabe übernehme. Da kommt sozusagen ein Anruf  eines anderen zu mir. Aber auch wenn ich in mich selber  hineinhöre kann ich den Ruf (eines anderen) hören: Tu dies oder jenes, das ist jetzt wichtig oder nicht, entscheide dich so oder so. Einmal ist dieser Ruf leicht zu hören, ein anders Mal braucht es ein längeres Hineinhören.
Und wir können auch von Gott gerufen werden. Er ruft uns etwa durch eine innere Stimme oder durch einen Mitmenschen oder durch Situationen und Erfahrungen im Leben. Wir können hinhören und fragen: Wozu bin ich gerufen von Gott? Was ist sein Lebensentwurf für mich? Was ist sein Plan für mich? Wie schaut mein Weg aus in seinem Sinne? Welche Aufgabe hat er für mich bereit?Kann ich dann wie Samuel im Alten Testament sagen, nachdem ihn Gott gerufen hat: „Hier bin ich. Rede Herr, dein Diener hört (1Sam3,5.10)? Oder wie der Prophet Jesaja antwortet: „Hier bin ich, sende mich“( Jes 6,8)?
Vergleich dazu das Bild auf der Titelseite. Gott weiß am besten, was mir zum Heil gereicht und was mich letztlich zufrieden machen kann. Jesus, der Sohn Gottes, hat versucht, Gottes Pläne und seine Pläne in Einklang zu bringen. Es gibt so viel Möglichkeiten gerufen zu sein so viel wie es Menschen gibt. Du kannst gerufen sein: zu einem bestimmten Beruf, einer bestimmten Aufgabe, deinen Einsatz für ein Leben, in der Familie ein Kind zu erziehen, einen Kranken zu pflegen, einen Sterbenden zu begleiten, Neues zu schaffen, Altes zu bewahren, hilfsbereit zu sein, sich für eine Sache einzusetzen, jemanden zu trösten, humorvoll zu sein, in der Pfarrgemeinde mitzutun,...
Du kannst dieses Gerufen sein schlicht und einfach ohne tieferen Zusammenhang sehen, aber du kannst es auch als einen Ruf von Gott verstehen. Dann kann dein Tun und Denken noch eine andere Dimension bekommen: Du vertraust nämlich, dass Gott hinter dir steht, dass er dich segnet und begleitet, du kannst dein Wirken mit viel Motivation und viel Herzblut füllen. „Im Übrigen soll jeder so leben, wie der Herr es ihm zugemessen, wie Gottes Ruf ihn getroffen hat. Das ist meine Weisung für alle Gemeinden“ ( 1Kor7,17).
Euch allen Gottes Segen. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020-3  Pfingsten

Wir hören seit längerer Zeit eigentlich fast nur mehr vom Thema „Corona“. Wie die Entwicklung diesbezüglich weitergeht wissen wir alle nicht. Natürlich hoffen wir für alle das Beste.

Das Anliegen dieses reduzierten Pfarrblattes ist es, Klarheit zu schaffen, wie der Weg der Pfarreien in der näheren Zukunft aussieht, basierend auf den Richtlinien der Diözese, der Bischofskonferenz und der Bundesregierung .

Über alle diese Maßnahmen hinaus gilt es den Blick auf die Gesamtsituation zu bewahren: Das Bewusstwerden von Endlichkeit und Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz wurde ebenso präsenter wie die Notwendigkeit von Solidarität, Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn. Krise hat in sich das Potential von Chancen, die sich auch in diesem Fall aufgetan haben und genutzt worden sind. Wo viel Dunkles ist, da ist dahinter oft das hellste Licht. Hoffentlich nehmen wir davon möglichst vieles mit in die Zukunft.

Andererseits hat diese Krise viele in ein soziales, wirtschaftliches, menschliches und psychisches Tief gestürzt und zwar weltweit; und die weiteren Folgen davon sind hoffentlich nicht zu drastisch. Hier braucht es jetzt schon, aber gerade noch auf weitere Sicht, viele hilfreiche Maßnahmen von allen Seiten.

Und wir brauchen Gottes Hilfe: Schau auf dich, schau auf mich, schau aber auch auf Gott. Ja, wir sollen die Vernunft gebrauchen, zudem ebenso auf Gott vertrauen. Wir werden immer wieder die Grenzen des Menschen erkennen – ob wir wollen oder nicht - denn der Mensch bleibt trotz seiner gewaltigen Begabungen und Möglichkeiten immer auch Geschöpf und damit nicht allmächtig, um alles im Griff zu haben, wie er manchmal meint.

Das Vertrauen in Gott ist die beste Motivation für ein Miteinander und Füreinander, für Eigenverantwortung, für den Einsatz an Hilfsbedürftigen auf der Schattenseite, die zum Teil um ihre Existenz kämpfen, und es macht frei von Ängsten. Wenn wir von dieser Einstellung im positiven Sinn infiziert und angesteckt werden, ist dies zum Segen für alle. Gemeinsam kann vieles bewältigt werden, gemeinsam sind wir stark!

Ganz entschieden ist aber auch hinzuweisen auf die vielen Krisenherde unseres Planeten, denen zurzeit kaum oder gar keine Aufmerksamkeit zukommt - im Großen und im Kleinen. Es gibt nicht nur Corona! Und es gibt viele andere Ursachen, an denen Menschen sterben. Unser Auftrag heißt Leben und die Hoffnung auf erfülltes Leben, nicht nur durch Mund/Nasenschutz und Social Distancing (Abstand halten). Bleiben wir wachsam und bewahren wir uns als freie und intelligente, mit Hausverstand, Mitgefühl und Liebe ausgestattete Personen das möglichst unbeeinflusste und eigenständige Denken, Urteilen und Handeln.

Euch allen Gottes Segen Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020 - 2 Fastenzeit – Ostern

„Hoffe auf den Herrn und sei stark, hab festen Mut und hoffe auf den Herrn.“(Ps27,14) Wir haben bei dieser Ausgabe des Pfarrblattes das Thema Hoffnung gewählt. Von Anfang an liegt Hoffnung in uns wie ein Samenkorn. Diese Lebenskraft und dieser Lebenswille begleiten den Menschen vom ersten bis zum letzten Augenblick. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die werdende Mutter ist in guter Hoffnung. Man hofft auf ein Kind, das gesund und stark wird. Verletzt sich ein Kind läuft es zur Mutter oder zum Vater und hofft, dass alles wieder gut wird. Man hofft in vielerlei Hinsicht: dass die Schule positiv abgeschlossen wird, der Beruf und das Berufsklima passt, einem guten Freund zu begegnen, die Partnerschaft oder Ehe erfüllend und von Dauer ist, die Familie einem trägt. Der Kranke hofft auf Genesung, andere sehnen sich nach Frieden und Zufriedenheit oder nach Versöhnung und Verständnis, nach einer Wohnung, dass sie mit dem Einkommen auskommen oder sich aus einer Spirale der Not oder Gewalt befreien können und Hilfe erfahren. Der Bauer hofft bei der Aussaat auf eine gute Ernte, unser Tun und Schaffen soll nach Möglichkeit Früchte bringen, beim Gewitter wünscht man sich, dass es nicht zu heftig wird und vorbeizieht. Im Alter wird rückblickend gehofft auf ein wertvolles Leben, vorausblickend wünscht man sich einen guten Übergang und ein Sterben ohne Qualen, und bei Gott ein Wiedersehen mit allen Menschen, die einem lieb und teuer waren oder sind. Ganz massiv ist bei vielen die Hoffnung auf einen lebenswerten und heilen Planeten Erde. Ja die ganze Schöpfung und damit auch wir Menschen als Teil davon sind „wie in Geburtswehen“ und hoffen auf Vollendung durch Gott (Röm8,22). Bei den vielen kleineren und mittelfristigen Zielen gilt es sich auch diese auf Ewigkeit bezogene Hoffnung zu vergegenwärtigen.

Weil sie so wesentlich für uns sind, werden sie göttliche Tugenden genannt: Glaube, Hoffnung und Liebe. Alle drei sind sie miteinander eng verbunden, sie bedingen und ergänzen einander. Es sind ganz lebensbejahende und lebensnotwendige Tugenden. Ein bekanntes Symbol für die Hoffnung ist der Anker, weil wir in der Hoffnung einen „sicheren und festen Anker der Seele“ haben(Hebr 6,19). Verankert ist diese Hoffnung für uns vor allem in Gott, bzw. in Christus oder der Gnade, der liebenden Zuwendung durch Gott: „Auf ihm ruht unsere Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft retten wird“(2Kor1,10), „Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“(Jer29,11),“Lasst euch nicht von der Hoffnung abbringen, die euch das Evangelium schenkt“(Kol1,23),… das sind nur einige von den vielen ermutigenden und trostvollen Worte in der Bibel zu diesem Thema. Zusammenfassend habe ich einen Wunsch an euch alle: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes“(Röm15,13). In der Hoffnung, dass dieses Pfarrblatt bei euch wieder eine wohlwollende und gute Aufnahme findet grüßt euch von Herzen Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2019/20 -1 Weihnachtszeit

„Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“ (Mt5,9). Frieden ist mehr als kein Krieg. Frieden liegt im Wohlbefinden mit der Natur, mit sich selber, den Mitmenschen und mit Gott zu leben. Wer Krieg, Verzweiflung oder Entbehrung durchleben muss, der hat nur einen Wunsch: Frieden. Und er sieht den Frieden als großen Schatz an. Frieden sollte nie für selbstverständlich genommen wer- den, denn Gleichgültigkeit schwächt ihn, und es können dann leicht Keime von Streit, Gegeneinander und Gewalt wieder aufkommen. Deshalb ist das bewusste tägliche Bemühen um Frieden ganz wichtig, der Respekt, die Achtsamkeit und die Wertschätzung. Auch die soziale Gerechtigkeit, bei der alle einen Zugang zu den wesentlichen existentiellen Lebensgrundlagen haben ist dabei eine unverzichtbare Voraussetzung.

Nicht zu vergessen sind die vielen “Kriege“ auf geistiger Ebene, wo Menschen sich gegenseitig terrorisieren, verletzen und gar seelisch „töten“. Das bringt viel unnötiges Leid und Unglück über unseren Planeten. Dabei geschieht dies nicht selten anonym, ohne sich zu outen. Vor allem hier sollte der Einsatz gegen die Zerstörung und Verschmutzung unserer Erde beginnen. Ganz notwendend wäre hier zunächst der Friede im eigenen Herzen, weil unser wahres Inneres oft ausstrahlt, so oder so. Der Glaube, eingebettet in die Liebe, ist die beste Hilfe zum Frieden. Die lebendige gesunde Verbundenheit mit Gott ermöglicht eine ehrliche und liebevolle Verbundenheit mit den Mitmenschen. Im Tiefsten kann uns letztlich Gott Frieden geben und um diesen können wir nie genug beten. Wie Jesus gesagt hat: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“(Joh14,27). Er verheißt uns einen Frieden, den uns die Welt nicht geben kann. Denn der Friede in dieser Welt wird immer zerbrechlich bleiben so wie die Liebe. Er aber sagt, er habe die Welt besiegt, jene Welt, die sich von Gott abkapselt und sich selbst zerstört. Das heißt, in ihm und in der Gemeinschaft mit ihm beginnt der end- gültige und bleibende Friede. Er gibt uns den Ausblick auf das vollendete Reich Gottes, wenn er wiederkommt. Überall dort, wo hier und heute Friede möglich ist und wir uns für diesen einsetzen und so Werkzeug des Friedens sind, da können die Menschen ein Stück von diesem ewigen Frieden spüren und aufleuchten lassen. In der Liturgie heißt es: “Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch“. Das erbitte ich mit euch und für euch von ganzem Herzen.  Euer Pfarrer Alois Juen

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