Pfarre Volders - Seelsorgeraum Fritzens-Volders-Wattens
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H.H. Mag. Alois Juen

Leiter des Seelsorgeraumes und Pfarrprovisor von Volders

  • Verkündigung (Evangelium, Predigt, Medien, Ökumene)
  • Liturgie (Gottesdienste, Sakramente, Hirten-Funktion)
  • Diakonie (Seelsorgegespräche, Kranken-, Sterbebegleitung)
  • Leiten (Pfarrgemeinde-, Kirchenrat, regionale Verbindungen)
  • Verwalten (Pfarrbücher, Kirche, Finanzen)
     

Sprechstunde: nach Vereinbarung

Kirchgasse 1
A-6111 Volders
Handy: 0676/87307357
e-mail:  

Die Leitartikel von  Pfarrer Alois Juen im SSR-Pfarrbrief:

„eini g’schaug“ 2024-2  Fastenzeit, Ostern

Dieses Seelsorgeraumblatt setzt sich mit dem Thema der GEISTLICHEN BERUFUNG auseinander. Das klingt für viele etwas fremd. Aber sogar im Wort Beruf steckt sinngemäß die Berufung. Damit können alle etwas anfangen, weil einen Beruf zu erlernen oder auszuüben meist zum Leben gehört. Idealerweise kann ein Beruf als Berufung gesehen werden. Das geschieht dann, wenn ich etwa nicht nur profan zum Broterwerb arbeite (das ist natürlich auch ganz wichtig), sondern wenn ich darin eine Möglichkeit sehe, mich zu verwirklichen, eine Begabung zu entfalten, für sich selber und andere Menschen etwas Wertvolles zu schaffen, den Menschen und damit auch Gott zu dienen. Dies umzusetzen ist als Handwerker oder Krankenschwester ebenso möglich wie als Pastoralassistentin oder Priester. Wenn eine Person im direkten Dienst der christlichen Religionsgemeinschaft steht, dann sprechen wir von einer geistlichen Berufung.

Davon werden wir in den Beiträgen des Seelsorgeraumblatt noch Näheres hören. Eine qualitätsvolle Ausbildung kann zur Umsetzung einer geistlichen Berufung hilfreich sein, vor allem aber ist eine echte Berufung „von oben“(von Gott) notwendig, eine Beauftragung oder Sendung durch die Glaubensgemeinschaft bzw. eine Bevollmächtigung durch eine Weihe (Diakon, Priester). Das Wesentliche ist und bleibt unsere Berufung zu erkennen und sie zu leben, zu unserem eigenen Wohl, Wohl der Mitmenschen und zur Ehre Gottes.
Es gibt in der Bibel ganz viele Erzählungen zum Thema Berufung. Am bekanntesten sind die Berufungen der Apostel. Im Alten Testament steht die Berufung des jungen Samuel (1Sam3,1-10.19-20). Er hört die Stimme Gottes. Zunächst kann er diesen Ruf von Gott nicht einordnen, aber dann antwortet er auf die BE-RUF-UNG mit den Worten: „Rede, denn dein Diener hört“. Auch wenn wir normalerweise nicht so direkt wie Samuel die Stimme Gottes hören, so können wir doch ein Empfinden und Gespür entwickeln, Anrufe Gottes wahrzunehmen. Denn Gott kann zu uns durch Menschen, Erfahrungen, Ereignisse, Gebete, Träume, Bibel Schöpfung,…sprechen. Dann können wir wie Samuel antworten: „Rede, denn dein Diener (deine Dienerin) hört“. Wir erkennen unsere Aufgabe oder Lebensaufgabe und wir verwirklichen diese soweit wie möglich, mit Gottes Hilfe und durch die Unterstützung unserer Mitmenschen. Wir leben unsere Berufung. Im Gotteslob steht ein empfehlenswertes Gebet zum Thema Berufung (Gotteslob Nr.21/5): Herr du hast mich gerufen und Sehnsucht nach dir geweckt. Auf deinen Ruf habe ich mich eingelassen. Ich teile mein Leben mit vielen Menschen; gemeinsam sind wir auf dem Weg. Ich danke dir für viele Begegnungen und staune, wie du dich auch in unscheinbaren Ereignisseen zeigst. Du hilfst mir, meine Fähigkeiten zu entdecken, zu entfalten und einzusetzen. Du zeigst mir auch meine Grenzen. Lass mich an diesen Erfahrungen wachsen und hilf mir loszulassen, was mich dabei einengt. Berufe mich immer wieder neu, sende mir deinen Heiligen Geist, damit ich an den Orten, zu denen du mich führst, dein Evangelium lebe und so dein Reich wachsen kann. Sei du die Mitte meines Lebens. Segne mich, damit ich für andere zum Segen werde.
Dazu wünsche ich euch Gottes Segen.  Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2023/24-1  Advent, Weihnachten

70 Jahre Sternsingeraktion, das ist das Thema dieses Pfarrblattes. Eine riesige Schar von Kindern mit Begleitpersonen hat all die Jahre hindurch mit viel Begeisterung die frohe christliche Botschaft von der Menschwerdung Gottes, vom Gott der Liebe, zu den Menschen getragen. Sie haben eure Häuser und Wohnungen mit allen, die darin wohnen gesegnet. Sie haben von euch großzügige Spenden für konkret begleitete Projekte in den ärmsten Ländern der Welt bekommen. Das was die Sternsinger jedes Jahr mit viel Einsatz vollbringen ist eigentlich die ureigenste Aufgabe eines jeden Christen: die christliche Botschaft weiterzugeben, nicht nur in Worten sondern auch mit praktischer Hilfe. Missionarisch zu sein bedeutet nicht, jemanden den Glauben überzustülpen, sondern davon Zeugnis zu geben, authentisch und in Freiheit, damit andere von dieser Botschaft angesteckt werden können. Missionarisch zu sein gehört zum Wesen des Christseins. „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.“ Der Ursprung einer jeden Mission (= Sendung) ist Christus selber, der seinerseits von Gott in diese Welt gesandt worden ist, um den Menschen zu offenbaren und vorzuleben, wer Gott ist, wie Gott ist, und was er will. Jesus hat die Jüngerinnen und Jünger ausgesandt, diese seine Botschaft zu den Menschen zu tragen, in Worten und Taten, das heißt durch konkret gelebte Nächstenliebe. Auch die Christen in der Gegenwart sind gesendet. Sie kommen nicht in ihrem eigenen Namen, sondern handeln im Auftrag von Jesus. Diese Verkündigung kann in den verschiedenen Bereichen geschehen: zu Hause, bei der Arbeit, in der Freizeit, in der Partnerschaft und Familie, im öffentlichen und privaten Bereich, im täglichen Miteinander. Zur Glaubwürdigkeit der Botschaft gehört ganz wesentlich, dass sie eine ganz praktische Hilfe ermöglicht und Wirkung zeigt. Diese Hilfe kann von geistlicher, geistiger und materieller Natur sein. Es geht dabei um den Bereich der Diakonie, den spürbaren und sichtbaren Dienst am Nächsten. Das hat bereits die ersten Christen ausgezeichnet. Einerseits sind sie regelmäßig zum gemeinsamen Gottesdienst zusammengekommen, sie haben darüber hinaus Zeugnis gegeben von ihrem Glauben, und sie teilten miteinander, was sie hatten, damit keiner Not leiden musste. Das Sternsingen ist nur ein Teil von den wertvollen pfarrlichen Aktivitäten das ganze Jahr über. Aber gerade diese Aktion zeigt, wie positiv verstandene Mission ausschauen kann: sich aufzumachen, hinzugehen, anzuklopfen, die Botschaft von der menschgewordenen Liebe Gottes freundlich und unaufdringlich zu verkünden, die Menschen zum Teilen einzuladen, sichtbare Hilfe für Menschen in den unterschiedlichsten Nöten möglich zu machen. Das Ziel der Mission (Sendung) ist das Wohl und Heil der Menschen, gesamtheitlich gesehen, hier und auf ewig. Ich selber war auch öfters als Sternsinger und Begleitperson unterwegs. Für uns war es wichtig, gemeinsam etwas Gutes und Sinnvolles zu bewirken.

Ich wünsche uns allen einen hellen Stern im Leben, der aufleuchtet und der uns führt zu dem, der Licht, Wärme und Heilung in diese Welt bringen kann, und in dessen Namen wir weitergeben, was wir von ihm empfangen. Damit diese Welt die Hoffnung nicht aufgibt.
Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2023-4  Herbst

Das schwerste Wort heißt nicht Popocatepetl wie der Berg in Mexiko
und nicht Chichicastenango wie der Ort in Guatemala
und nicht Ouagadougou wie die Stadt in Afrika.
Das schwerste Wort heißt für viele: DANKE!  (Josef Reding)

Das Thema der DANKBARKEIT wird in diesem Pfarrblatt aufgegriffen. Echte, bewusst ausgedrückte Dank-bar-keit ist frei von Hintergedanken. Sie gehört zu den Grundhaltungen, die ein wohlwollendes Miteinander fördern. Das Echo eines Dankes ist heilsam, und zwar für beide Seiten: den Gebenden und den Empfangenden. Diese Grundhaltung ist aber nicht einfach da. Es braucht die Einübung, die Hinführung, das Vorleben, in erster Linie für die Kinder, aber ebenso für die Erwachsenen. Wir können etwa der Mutter dankbar sein für das geschenkte Leben, wir können uns selber dankbar sein, wenn etwas gut gelungen ist, für das Essen, für ganz alltägliche Begegnungen und Erfahrungen, und für viele andere wertvolle Dinge. Im Pfarrblatt werden einige davon

ausführlicher beschrieben. Ein Dank kann ausgesprochen werden in Worten und in Gedanken (z.B. im Gebet zu Gott). Der barmherzige Samariter ist eine der anschaulichsten Stellen in der Bibel, welche die große Bedeutung des Dankes hervorhebt. Und wir sehen an diesem Beispiel, wie alle Menschen, unabhängig von Stand, Herkunft und Religion die gelebte Dankbarkeit umsetzen können. Wenn aber der Mensch Gott gegenüber nicht dankbar ist, in dem Sinne, dass der Mensch sich nicht mehr als Geschöpf sieht, sondern sich selber „zu Gott“ macht, dann kann sich vieles vom Heil ins Unheil verkehren, für den Menschen selber, für seine Umgebung, die ganze Welt und

Schöpfung. Überall dort, wo Ungerechtigkeit geschieht, wo dem Menschen Ungutes und Böses widerfährt, wo Ungeliebt sein und Unfairness erlebt wird, da ist verständlicherweise oft kein Platz für Dankbarkeit oder sie ist schlichtweg einfach nicht möglich. Dass es auch diese Seite gibt, soll uns nicht davon abhalten, nach Möglichkeit das Wort „DANKE“ nicht zum „schwersten Wort“ zu machen, sondern die Dankbarkeit als Grundhaltung zu leben.

Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2023-3  Pfingsten, Sommer

Das Thema dieses Pfarrblattes lautet WEGBEGLEITUNG. Es geht der Frage nach, was Begleitung bei denen bewirkt, die begleitet werden. Kinder spüren Herzlichkeit und Sicherheit, wenn sie von Eltern, Großeltern, Geschwistern oder Verwandten begleitet werden. Wenn Kinder ein solches Umfeld der Geborgenheit erfahren, können sie mit Zuversicht und Selbst-vertrauen ins Leben gehen. Es ist für sie wie ein Goldtopf aus dem sie ständig schöpfen. Jugendliche können in einem Freundeskreis begleitet werden. Dieser trägt, stärkt, motiviert und macht unternehmungslustig. In den Schulen geschieht Begleitung durch Lehrkräfte und Freunde an unzähligen jungen Leuten. Dabei können sie menschlich, sozial und fachlich wachsen und auf das Leben und einen Beruf vorbereitet werden. In einer Ehe oder Partnerschaft gibt es oft ein gegenseitiges sich begleiten. Das DU bekommt vom anderen DU Stärke und gibt diese wieder zurück. Ganz wichtig ist eine begleitende Person nach einem Unfall, bei Krankheit und sonst einer allgemeinen Gebrechlichkeit. Wir wissen alle, wie hilfreich, ermutigend und heilsam es ist, wenn einem in diesen Situationen jemand zur Seite steht. Sehr wertvoll ist es für sterbende Menschen, wenn sie mit viel Geduld und Liebe betreut werden und so in Würde und Frieden zu Gott heimkehren können. Auch die Hinterbliebenen von Verstorbenen sind dankbar für Zuspruch und Trost. Es ist oft einfach hilfreich zu spüren, dass jemand da ist, wenn Trauer oder das Gefühl von verlassen sein zu groß wird. Ist jemand im Gefängnis oder ausgestoßen und allein, gibt es soziale, psychische oder materielle Probleme, dann sind Wegbegleiter notwendig. Durch sie kann Not gewendet werden zum Besseren. Im Glauben gibt es auch eine Begleitung. Denken wir an die Taufe, Erstkommunion und Firmung und allgemein an die unersetzbare und wertvolle Unterstützung von anderen im religiösen Bereich. Da wird viel Sinn, Halt, Hoffnung und Liebe geschenkt.

Es gibt ebenso eine Begleitung von der überirdischen, geistigen Welt aus. Angehörige von Verstorbenen erzählen etwa von der Erfahrung und vom Vertrauen, dass die Verstorbenen auf sie schauen und ihnen helfen. Ebenso die Heiligen stehen uns als Vorbilder und Fürsprecher bei Gott in dieser Welt wie gute Freunde zur Seite, und sie geben Mut und Hoffnung auf dem Lebens- und Glaubensweg. Die Bibel erzählt an vielen Stellen, wie Menschen die Engel als Weggefährten, Beschützer und Boten Gottes erfahren. Die Engel schauen Gottes Angesicht, kennen seinen Willen, und sie tragen so zum Heil der Menschen bei, hier und auf ewig. Schließlich wird Gott selber als Begleiter beschrieben und wahrgenommen. Dazu gibt es viele Beispiele. Die Freunde von Jesus, die sich nach seinem Tod ängstlich zurückgezogen und eingeschlossen haben, werden durch den Hl. Geist ermutigt und gestärkt. Sie gehen hinaus und geben die Botschaft von Jesus, von seinem Leben, Sterben und Auferstehen weiter. Von den ersten Christen, und dann die ganze Geschichte hindurch wird berichtet, dass der Hl. Geist die Kirche begleitet und belebt. Letztlich können alle Menschen aus den verschiedenen Religionen Gott als einen „Gott mit uns“ erfahren. „Gott sende uns sein Licht und seine Wahrheit, damit sie uns leiten“(nach Psalm43,3).
 

Das wünsche ich uns allen. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2023-2  Fastenzeit, Ostern

Das „Die Bedeutung vom WORT GOTTES ins richtige Licht rücken“ ist das Thema dieses Pfarrblattes. Die Sprache zeichnet uns Menschen aus. Wir kennen dabei Worte, die uns freuen, trösten und helfen, und solche, die verletzen, demütigen und zerstören. Vieles lässt sich durch Worte ausdrücken.

Nun gibt es ein Wort, das ganz anders ist als alle anderen Worte. Es ist das WORT GOTTES. Bei menschlichen Worten muss oft unterschieden werden zwischen Wahrheit und Lüge. Das Wort Gottes ist immer wahr. Gottes Wort bewirkt immer etwas Gutes. Bei der Erschaffung der Welt heißt es: „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht“(Gen1,3). Bedenken wir einmal diese Wirkung! Er spricht es aus...und es entsteht. Weil Gott so sprechend alles schafft, ist auch die ganze Schöpfung eine einzige Sprache, eine Botschaft. Tiere, Pflanzen, Berge, Wolken, Quellen,...erzählen von Gottes Phantasie und Zuwendung. Schließlich aber ist das Wort Gottes Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt (Joh1,14). Christus ist das mensch- gewordene Wort Gottes. Durch dieses Wort sagt uns Gott wer er ist, wie er ist, was er will. Und an ihm zeigt er wiederum, dass er ein wirksames Wort ist. Zum Gelähmten sagt er etwa: “Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“ Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging (Joh5,8.9). Oder zu einer Frau sagt er: “Deine Sünden sind dir vergeben.“ Und sie sind auch vergeben (Lk7,48). Zu Lazarus, der bereits vier Tage im Grab lag, ruft er mit lauter Stimme: “Lazarus komm heraus!“ Da kam der Verstorbene heraus (Joh11,43). Dieses Wort Gottes, das wirksam ist und Leben schafft, hören wir bei den Gottesdiensten und bei vielen anderen Gelegenheiten. Der Hl. Franz von Assisi sagt einmal über das Wort Gottes und die Eucharistie, dass wir nichts anderes leibhaftig haben von unserem Herrn Jesus Christus, als seine Worte und seinen Leib. Christus ist gegenwärtig im Wort und Sakrament, und in der Gemeinschaft. Für die Gemeinschaft der Glaubenden ist es ganz wichtig, einfach zusammenzukommen, ob nun ein Wortgottesdienst oder eine Eucharistie (Hl. Messe) gefeiert wird. Davon lebt eine christliche Gemeinde ganz wesentlich.

Bedenken wir dabei immer wieder: Es ist das Wort des lebendigen Gottes höchstpersönlich für dich. Hinzuhören, dieses Wort aufzunehmen, heißt, ihn selber ernst zu nehmen, sich auf ihn einzulassen. Dann wirkt es auch in mir. Die Worte können begleiten, ermutigen, korrigieren und formen. Es ist sehr zu empfehlen, auch zu Hause einmal die Bibel in die Hand zu nehmen und ein kleines Stück zu lesen. Man versucht dabei still zu werden, liest einen kleinen Abschnitt, hört hin und schließt mit einem persönlichen Gebet ab. Der Geist Gottes ist dabei der beste Lehrmeister. Dabei geht es nicht darum, alles sofort zu verstehen. Manchmal geht einem erst nach und nach etwas auf. Frere` Roger Schütz von der ökumenischen Gemeinschaft in Taizè in Frankreich hat dabei sinngemäß gemeint: „Besser als die ganze Bibel auswendig zu kennen ist es, einen Satz, den ich verstanden habe, zu leben“. Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und es befolgen (Joh11,28).

Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2022/23-1  Advent, Weihnachten

Auf existentielle Fragen der Menschen wurden immer schon von den verschiedenen Religionen Antworten gegeben. Etwa auf die Fragen nach dem Woher, dem Warum und dem Ziel allen Lebens. Ebenso bei den gegenwärtigen Herausforderungen bringt die christliche Glaubensgemeinschaft ihre Botschaft ein: Frieden, Flucht, Wirtschaft, Gesundheit, Energie, Klima, Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Schöpfungsverantwortung, Familie, Kinder, Spiritualität,…

Es gibt viele Christen, die in diesen und anderen Bereichen wertvolles bewegen zum Guten. Und es gibt Versäumnisse und Untätigkeit. Entscheidend ist immer wieder, wie ich mich persönlich einbringe nach meinen Möglichkeiten, und was ich beitrage zu einem sinnerfüllten und zufriedenen Leben von mir selber oder von anderen. Keiner sollte allein dastehen mit seinen Problemen, unabhängig von seiner Weltanschauung. Ich träume von einer Gemeinschaft, die trotz aller Machtlosigkeit, Ratlosigkeit, Enttäuschung oder Verärgerung, die eben auch aus unterschiedlichsten Gründen da ist, alles tut, um möglichst vielen eine Chance auf ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Die christliche Religion vertröstet uns nicht einfach auf das Jenseits, sondern das Reich Gottes hat in der Gemeinschaft mit Christus und allen Getauften bereits begonnen in dieser Welt, in diesem irdischen Leben. Diese Gemeinschaft motiviert und stärkt uns dranzubleiben, um dieses Reich Gottes der Gerechtigkeit, des Miteinanders, des Friedens, der gegenseitigen Achtung und der Liebe, das in Jesus begonnen hat, erfahrbar zu machen und zwar jetzt schon vor allem für jene, die oft ohne Perspektiven und Hoffnungen sind. Das Tun und das Aktivsein sind entscheidend, auch in den oben erwähnten Themen. Hier braucht es das Zusammenwirken der verschiedenen Kräfte.

Eine wirksame Hilfe über alles Bemühen hinaus ist das Vertrauen in Gott. Mit ihm können wir reden. Er hört uns. Er ist der „Ich bin da“. Deshalb findet ihr in diesem Pfarrblatt Impulse für die Adventsonntage und für Weihnachten. Sie können euch ermutigen mit Gott ins Gespräch zu kommen, zu beten und das Wort Gottes zu hören. Mit anderen zusammen, in der Familie, mit dem Partner, mit Freunden, oder auch allein (im Wissen darum, dass viele andere gerade auch jetzt mit mir im Gebet verbunden sind). Persönliche Beiträge haben auch Platz. Man nennt das HAUSKIRCHE. Zeitlich bewährt hat sich jeweils der Sonntag um 17.00. Das Läuten der Kirchenglocken wird dazu einladen. Beten heißt nicht nur Gott zu sagen, was ich brauche, sondern in erster Linie können wir im Gebet hinhören, was Gott uns sagen will. Gebet ist kein Selbstzweck, sondern es hat seine Wirkung, weil Gott viel bewirken kann. Vor allem kann er durch uns wirken. Die Aktion (also der Einsatz und das Engagement für die Menschen und die Welt) einerseits und die Kontemplation (Besinnung und Gebet) andererseits gehören zusammen. Auf diesem Weg ist es möglich, vieles zum Guten zu wenden, das Reich Gottes spürbar werden zu lassen, und die Hoffnung auf erfülltes Leben zu haben, hier und auf ewig.

Euer Pfarrer Alois Juen

„eini g’schaug“ 2022-4  Herbst

Die beiden Worte Wert und Schatz ergeben das eine Wort WERTSCHÄTZUNG. Das ist das Thema dieses Pfarrblattes. Es gibt eine Wertschätzung gegenüber Dingen oder Tätigkeiten und Arbeiten. Eine bestimmte Haltung oder Einstellung kann wertgeschätzt werden bzw. überhaupt alles, was lebt. Menschen bringen einander Wertschätzung entgegen. Die früheren Anreden mit „Werte Dame“ oder „Werter Herr“ drücken dies aus. Viel wichtiger als diese Anrede ist es, die gelebte gegenseitige Wertschätzung in ehrlicher und aufrichtiger Weise zu zeigen, und zwar in sämtlichen Bereichen: in der Schule, bei der Arbeit, in der Partnerschaft und Familie, in der Freizeit, im Sport, in den täglichen Begegnungen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein gelingendes Miteinander, eine inspirierende Kraft zur gegenseitigen Anerkennung. Die Frage heißt immer wieder: Wie gehen wir miteinander um?

Bei den Begräbnissen höre ich oft einen Nachruf zu den verstorbenen Personen, der mit viel Feingefühl, Verbundenheit und Liebe geschrieben und vorgetragen wird. Das weist auf eine entsprechende Wertschätzung dieser Person auch zu Lebzeiten hin. Im Bild gesprochen: Blumen zu schenken im Leben ist noch viel wichtiger als erst am Grab. Es tut einfach gut für das Selbstwertgefühl, für den Lebenssinn und die gesellschaftliche Integration, wenn man respektiert und geachtet wird. Und dass Bemühungen, Engagement und Einsatz dankbar wahrgenommen werden. Wertschätzung ist mehr als Belohnung und Lob. Es ist eine der schönsten Formen der Anerkennung. Einen Menschen wertschätzen kann zudem heißen, ihn zu unterstützen, damit er immer mehr jene Persönlichkeit werden kann, so wie Gott ihn von Ewigkeit her gedacht hat.

Jesus hat vorgelebt was es heißt, gerade auch jenen Menschen einen gebührenden Platz zu geben, die von anderen verachtet, gedemütigt, ausgeschlossen und verurteilt werden. Er preist sie sogar selig, weil Gott an ihrer Seite steht – hier und auf ewig. Im Reich Gottes, das jetzt bereits beginnt, erfährt der Mensch jene Wertschätzung, die ihm gebührt. Das kann eben hier und heute gelebt werden, nicht einfach weil es geboten oder weil darauf hingewiesen wird, sondern weil wir es verinnerlicht haben.

Dadurch können wir den harten, brutalen, gefühllosen, egozentrischen und überheblichen Strömungen, die es unter anderem auch gibt, entgegenwirken bzw. wir können sie sogar ins Positive wandeln. Der eigentliche Ursprung jeglicher Wertschätzung liegt ganz sicher in der Wertschätzung Gottes, weil er uns wertschätzt und wir ihn wertschätzen, und ihm den Platz in unserem Leben geben, der ihm gebührt, nämlich den ersten Platz. Und er hilft uns immer mehr jener Mensch zu werden, der wir bereits von Anfang an sind: Gottes geliebtes Geschöpf.

Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2022-3  Pfingsten, Sommer

Gelebte SOLIDARITÄT ist einer der besten Wege zu einem guten und sinnerfüllten Leben für möglichst viele Menschen. Solidarität garantiert das Leben und Überleben von Tieren und Pflanzen, letztlich der ganzen Schöpfung. Deshalb haben wir dieses Thema für das Pfarrblatt gewählt. Solidarisch sein kann heißen: Das Gemeinsame betonen, das Verbindende suchen, füreinander einstehen, sich verbunden wissen, Verantwortung übernehmen für sich und andere, sich einsetzen für das Wohl aller. Vor allem gilt diese Solidarität den sogenannten „Schwächeren“, den Vertriebenen, Behinderten, Kranken, Obdachlosen, Kindern und betagten Leuten, sozial oder wirtschaftlich Benachteiligten, Arbeitsuchenden, Menschen in Armut oder Not, auch seelischer Not, Menschen in verschiedensten Schwierigkeiten usw. Solidarität wäre eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Sie sollte nicht gefordert, gezwungener Maßen umgesetzt, lange besprochen oder überlegt werden müssen, sondern einfach gelebt werden. Denn wir sind eine Menschheitsfamilie, die unabhängig von Rasse, Herkunft, Sprache, Nation, Religion zusammengehört, voneinander lebt, gemeinsam und miteinander überlebt, füreinander geschaffen ist. Es ist die eine Erde, von der wir leben und mit der wir leben. Statt Solidarität dominieren oft aber Individualismus, das alleinige Interesse an den eigenen Ansprüchen und Zielen ohne Rücksicht auf Verluste, Egoismus und Überheblichkeit gegenüber anderen. Der Mensch hat das Potential der Selbstzerstörung in sich, aber eben auch die Chance, das Reich Gottes jetzt schon sichtbar und spürbar werden zu lassen, ohne damit den Himmel auf Erden schaffen zu wollen.

Die ersten Christengemeinden hatten, ohne es idealisieren zu wollen, alles gemeinsam (Apg2,44), bildeten eine Gemeinschaft, und es gab keinen, der Not litt (Apg4,34). Sie waren motiviert aus dem Glauben, die Solidarität untereinander war wie eine Selbstverständlichkeit. So waren sie glaubwürdig auch für andere, es hat ausgestrahlt. Und so ist es allen besser gegangen. Viele konnten spüren, dass Religion nicht Selbstzweck, sondern hilfreich und sinnstiftend für die Menschen auf dieser Welt und für die ganze Schöpfung ist. Tiefer gesehen liegt die christliche Motivation für Solidarität im Glauben an einen Gott, der sich in seinem Sohn solidarisch zeigt mit dem Leben, dem Schicksal, dem Leid und dem Tod der Menschen, der aus Liebe Solidarität gelebt hat, und durch seine Auferstehung einen Ausblick auf Vollendung in Gottes Reich, auf das Paradies, gibt. Dieser Gott befreit zu einer neuen Gemeinschaft mit Gott und den Menschen, und gerade für diese Gemeinschaft sollte eben Solidarität eine Selbstverständlichkeit sein. Aber wie gesagt, diese Selbstverständlichkeit bezieht sich auf alle Menschen. Bei einer Bergtour über den Gletscher mit einem Seil sind alle miteinander in Verbindung, alle können sich sicher fühlen, einer schaut auf den anderen, auf den Schwächsten wird Rücksicht genommen, damit gemeinsam der Gipfel erreicht wird. So kann Solidarität unter den Menschen und mit der Schöpfung möglich sein.

Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2022-2  Fastenzeit, Ostern

Das große Ideal lautet für viele jung, schön, sportlich, ohne Makel, perfekt und reich zu sein oder zu bleiben. Es gibt eine ganze Menge von Bemühungen, dieses Ideal zu realisieren und zu erhalten, so lange wie möglich. Aber es gilt der Realität ins Auge zu schauen: Dem natürlichen Alterungsprozess, der zunehmenden Gebrechlichkeit, der Anfälligkeit für Krankheiten oder der möglichen Pflegebedürftigkeit. Das betrifft alle Menschen. Die Großfamilie konnte in dieser Richtung vieles auffangen zum Wohl der Betroffenen und als Lernprozess für die gesamte Umgebung. Es ist nach wie vor ein großer Vorteil, wenn nach Möglichkeit alte, kranke oder pflegebedürftige Menschen in ihrem familiären Umfeld bleiben können und dort Begleitung, Betreuung und Hilfe erfahren oder auch bei Freunden oder Nachbarn. Da und dort fehlt jedoch die Bereitschaft dazu. Andererseits möchten oft die betroffenen Personen niemandem zur Last fallen. Nicht selten sind Angehörige trotz gutem Willen schlichtweg überfordert – zeitlich, energiemäßig oder fachlich. Gerade für diese Situationen gibt es die verschiedenen öffentlichen und privaten Einrichtungen: Altenwohnheime, Sozialsprengel, professionelle Begleitung für Behinderte, soziale Vereine, 24 h Betreuung, Caritas, Hospiz, usw. Diese Hilfen sollten vorurteilsfrei und mit ruhigem Gewissen in Anspruch genommen werden.

Im Umgang mit Leid, Tod und Sterben hat der vom Gesetz ermöglichte assistierte Suizid unterschiedliche Haltungen gezeigt. Gott bewahre uns davor, dass durch solche Gesetze einem selbstverständlichen und routinemäßigen gegenseitigen Hinüberbefördern ins Jenseits Tür und Tor geöffnet werden, weil zm Beispiel Druck von den Angehörigen oder von der Gesellschaft auf die betroffene Person ausgeübt werden kann bis hin zu dem Argument, dass die ganze Versorgung der Alten, Kranken und Pflegebedürftigen eine unzumutbare finanzielle Belastung für das System darstellt.
Aber es ist ratsam nie „Nie“ zu sagen. Denn es gibt Grenzsituationen, die etwa für Schwerkranke und deren Angehörige zu einer Zerreißprobe werden und der Ruf nach Beendigung des unsäglichen Leids ganz groß wird. Grundsätzlich sollte jedoch unser menschliches, christliches und medizinisches Bemühen auf die menschenwürdige Bejahung und Begleitung des Lebens bis zuletzt ausgerichtet bleiben. Angehörige können da ganz wertvolle Erfahrungen machen. Zudem kann es ein starkes Zeichen der Verbundenheit sein und diese noch vertiefen. Es ist erwiesen, dass Menschen, welche in Würde, Aufmerksamkeit und Geduld betreut und begleitet werden einen viel größeren Lebenswillen zeigen können. Der Leitsatz der Hospizbewegung ist sicher auf allgemeiner Ebene richtungsweisend: „Lieber an der Hand als durch die Hand eines Menschen sterben.“

Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2021/22-1  Advent, Weihnachten

Liebe Pfarrgemeinden Fritzens, Volders und Wattens.
Beim Kommen von Jesus Christus in diese Welt waren viele Personen beteiligt. Einige von ihnen werden uns in diesem Pfarrblatt ihre Sicht der Menschwerdung Gottes näherbringen. Wir können vom Kommen Gottes in dieser Welt in dreifacher Weise sprechen:

Erstens: Da kommt Jesus als das Wort Gottes in diese Welt, er zündet ein Licht an, das nie mehr erlöschen wird. Er tut was er kann. Er lebt die Liebe Gottes, gibt alles, ja sogar sein Leben. Aber er bleibt verletzlich, bleibt ausgeliefert: den Hartherzigen, der Laune des Herodes, dem Neid mancher jüdischen Glaubensvertreter, der Macht der Römer,... Jesus wird sozusagen gerichtet. Er lässt es zu, lässt es geschehen. Er hätte auch anders können, als der Sohn Gottes. Dieses Licht, das in seiner Person zu leuchten begonnen hat, wurde in der Geschichte oft verdunkelt, gerade von den Christen selber. Aber andererseits haben unzählige von ihnen Licht und Wärme und Hilfe in das Leben anderer gebracht, an allen Orten, zu allen Zeiten. Nach wie vor gilt der Auftrag an uns alle: Ihr seid das Licht dieser Welt (Mt5,14). Ihr seid jetzt gemeint. Es liegt in eurer Verantwortung.

Zweitens: Dieser Christus kommt wieder am Ende der Zeit. Da wird er nicht mehr kommen als das wehrlose Kind sondern in aller Macht und Herrlichkeit wie es im Evangelium steht: auf den Wolken des Himmels, d.h. für alle wahrnehmbar und sichtbar (Mt24,30). Und zwar wird er kommen als der Richter der Lebenden und der Toten (Mt25,31ff) wie wir im Glaubensbekenntnis beten. Er kommt wieder, um alles zu vollenden. Dann wird es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben (2Ptr3,13), in denen die Gerechtigkeit wohnt, ein Reich der Liebe und des Friedens. Er wird alles neu machen (Offb21,5). Hier gilt der Auftrag an uns, dass wir uns bereithalten für sein Kommen. Seid wachsam! Schaut, dass ihr genügend Öl in den Lampen habt (vgl.Mt25,1-13), d.h. dass ihr in der Liebe lebt und seid. Wir können uns öfters Fragen stellen wie bei Johannes dem Täufer, der das Kommen von Jesus vorbereitet hat: Was soll ich tun? Wo ist mein Platz, meine Aufgabe? Was sagst du mir Gott?

Drittens: Dann geschieht so etwas wie das Kommen des Herrn Jesus in unserem Herzen. „Ich stehe vor deiner Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und mir öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir“ (Offb3,20). Und damit kann in den Kreislauf von Ängsten, von Gewalt, von Leere und anderen Belastungen der Nahe und zugleich Unfassbare als Hoffnung und Ausweg kommen.
 

Euch allen Gottes Segen Pfarrer Alois Juen

 

 

„eini g’schaug“ 2021-4  Herbst

Sie haben ihre Stimme erhoben für die Menschlichkeit, das Positive und die Freiheit - nicht aus Propaganda und Berechnung - sondern wegen ihrer Überzeugung, die im Glauben wurzelte. Deswegen wurden sie hingerichtet. Die beiden Glaubenszeugen P. Jakob Gapp (+1943) und Pfarrer Otto Neururer (+1940). Vor 25 Jahren war ihre Seligsprechung. Ihr Beispiel lebt weiter, in unserer Zeit, und wenn wir wollen auch in unserer Einstellung. Sie könnten uns folgendes sagen: Gebt Obacht, denn es gibt einen fließenden Übergang hin zum Aufgeben von eigenständigem Denken, von Eigenverantwortung und Freiheit einerseits, und zum Gefallen finden an Macht, dem Hunger und der Gier nach Macht andererseits. Das eine spielt dem anderen in die Hände. Seid aufmerksam und wehret den Anfängen, so könnten die beiden Glaubenszeugen sagen, denn ein solcher Prozess entwickelt sich „wie ein Dieb in der Nacht“, ist also nicht so einfach zu erkennen.

Der Blick auf das Jubiläum der Seligsprechung von Jakob Gapp und Otto Neururer hat uns also inspiriert bei diesem Pfarrblatt das Thema „Stimme erheben- auch wenn es für manche unangenehm ist“ zu wählen. Sie haben sich nicht den Mund verbieten lassen, und ihre Stimme kann und soll eben auch heute gehört werden.
Vereinfacht dargestellt sind zwei verschiedene Wege möglich, die etwas plakativ mit einigen Schlagworten skizziert werden können. Der eine Weg kann heißen: Kontrolle, Überwachung, Funktionieren, Elitedenken, Belohnung für das Konformgehen, Fremdbestimmung, ein sich Entziehen von Verantwortung, egozentrisch, nüchtern und kühl. Der andere Weg kann beschrieben werden mit: Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Zusammenhalt, Gemeinschaftssinn, Empathie, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Einsatz für Schwächere, Menschlichkeit, barmherzig und liebevoll. Der christliche Glaube ist eine große Hilfe, diesen Weg immer neu einzuschlagen und zu gehen. Er stärkt zudem die Zivilcourage, die Stimme zu erheben für sich selber und die Mitmenschen, gerade dort, wo dies nicht mehr so gelebt wird. Es ist dann so wie mit einem Stein, den man ins Wasser wirft und der zuerst kleinere dann größere Kreise zieht. Ganz wesentlich scheint es mir zu sein, die große Freiheit, die wir aus dem christlichen Glauben heraus haben, zu schätzen. Es gibt in unserer Glaubensgemeinschaft eine gewaltige Vielfalt und so viele Wege, die zu Gott führen. Gott selber hat uns den freien Willen geschenkt. Dieses große Gut der Freiheit sollten wir auf keinen Fall preisgeben zugunsten von Uniformität, Doktrinarismus, Fanatismus, Fundamentalismus und Radikalisierung in Kirche und Welt.

Ich wünsche uns allen viel von Gottes gutem Hl.Geist. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2021-3  Pfingsten, Sommer

Als Kontrapunkt zu dem, was in vielen Gesprächen und Erfahrungen aufgrund der momentanen Situation vorherrschend ist, haben wir für dieses Pfarrblatt das Thema „lebe-liebe-lache“ gewählt. Leichter gesagt als getan, so könnte gleich entgegengehalten werden. Aber sind nicht gerade diese Themen-genauer betrachtet- zu jeder Zeit ganz wesentlich?

„Reich mir die Hand mein Leben“(W.A. Mozart, Don Giovanni) drückt die Sehnsucht nach dem, was uns leben lässt, in schöner Weise aus. Leben bleibt eine Herausforderung, eine Aufgabe und manchmal ein Kampf. Aber es ist zu wünschen, dass es lebenswert ist, bleibt oder wird - für möglichst viele. Sich gegenseitig die Hände zu reichen ist lebensnotwendig, ja überlebensnotwendig. So gehört leben und lieben zusammen. Leben heißt lieben und lieben heißt leben. Denn Liebe ist ausgerichtet auf ein Du, ein Gegenüber, das bereit ist, die Hände auszustrecken und zu reichen: für eine Aufmerksamkeit, ein Mitgefühl, eine Hilfe, eine Zärtlichkeit oder Zuwendung. Liebe gibt auch Beständigkeit und Kraft zum Durchstehen. Sie ist so wie die Luft zum Atmen. Ein Sinnspruch von Blaise Pascal bringt es auf den Punkt, ohne dabei die Bedeutung des Verstandes schmälern zu wollen: „Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand“. Echte Liebe erkennt auch, dass Leben keine Perfektion ist. Perfektionismus in jeder Hinsicht gilt ja vielfach als ganz selbstverständlich. Aber wenn etwas perfekt zu sein scheint, muss es noch lange nicht liebevoll sein.

Christlicher Glaube heißt gerade auch mit Lieblosigkeiten und Grenzen des Lebens umzugehen. Wir kommen nicht perfekt auf die Welt und wir gehen nicht perfekt von dieser Welt. Gott ist es, der letztlich alles Leben vollendet in seiner Liebe. Hat dieser Gott Humor, kann er lachen? Jedenfalls hatte Jesus Humor und er hat wohl herzhaft lachen können. Humor ist wichtig für das Leben und die Liebe und zwar in jedem Lebensalter. Er kann die Lebenszeit verlängern. Lachen tut Leib und Seele gut. Manchmal gibt es aber nichts zu lachen sondern man ist traurig oder weint. Idealerweise sollte sich dies aber nicht in Selbstmitleid und Verbitterung verhärten. Jedenfalls sind hohe Wellengänge und Stürme im Leben eher zu bewältigen, wenn eine Brise Humor dabei sein kann. Und ebenso wichtig wie das Lachen ist die Ernsthaftigkeit. Humor ist der Bruder des Ernstes, so sagt man. Lachen und Humor ist eine richtige Begabung, sollte aber nie zynisch und verletzend sein. Und über sich selber ab und zu lachen zu können verhilft zum gesunden Abstand zur eigenen Person. Zusammenfassend kann gesagt werden: Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet, aber am schnellsten hilft.

Euch allen Gottes Segen. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2021-2  Fastenzeit – Ostern

Der Tod wird nicht mehr sein (Offb21,4b) und wir werden leben, mit Christus auferstehen (2Kor4,14). Dieser österliche Ausblick betrifft natürlich in erster Linie das Ende des irdischen Lebens und dieser Welt und die Vollendung in der Auferstehung, aber nicht nur das. Denn Erfahrungen von Sterben, Tod und Grab einerseits und von Auferstehung und Leben andererseits gibt es bereits in dieser Welt und auch in dieser unserer Zeit. Sterben, Tod und Grab kann heißen: Nicht mehr weiter können, keine Aussicht haben, zerbrochene Seele, große Angst, allein sein, Krankheit, Unsicherheiten, Fragezeichen. Solche und ähnliche Erfahrungen machen nicht wenige. Und das wird noch länger eine Herausforderung für unsere Gesellschaft bleiben. Da kann eine Impfung allein, wenn sie sicher für viele einen Rettungsanker bedeutet, auch nicht die Lösung aller Probleme sein. Diese Rückkehr zur Normalität ist sie überhaupt noch möglich? Die Einschnitte und Einbrüche in vielen Bereichen sind jetzt schon so gravierend und haben fatale Folgen - für einzelne Personen und Firmen, für Gesellschaften und Staaten.

Auferstehen und Aufstehen kann da etwa heißen: eine Aufgabe sehen, einen Job finden, leistbares Wohnen und Einkaufen, vertrauen können, Förderung des Mittelstandes, Hilfe bekommen, kirchliche Strukturen verändern, ermutigt werden, zusammenhalten.

Speziell vergangenes Frühjahr wurden viele Zeichen der Hoffnung und des Miteinander gesetzt und eine Menge positiver Botschaften wurden verbreitet. So manches davon gilt es hier und heute umzusetzen, wenn die gegenwärtige Situation andauert und die damit verbundenen Folgen sich noch verschärfen, ausweiten und sich nicht so schnell besiegen lassen.

Auferstehen kann aber auch bedeuten, sich nicht einfach an eine bloße Rückkehr zur Normalität zu klammern, so in dem Sinn, dass alles wieder werden muss wie vorher, sondern die Möglichkeit zu sehen, gerade jetzt andere Schwerpunkte und Neuausrichtungen anzustreben: Statt sich auf das Haben wollen mehr auf das Sein zu konzentrieren, statt Profitgier und Konkurrenzkampf aufeinander schauen, statt Hetze eine Entschleunigung suchen, menschliches Leben und Leben generell als wertvoll und würdevoll ansehen, Menschen vom Rand der Gesellschaft in die Mitte nehmen, Schwächere nicht allein lassen, Gemeinschaft stiften, gegenseitige Achtung und Aufmerksamkeit fördern, die Lebenszeit mit anderen teilen, sich in die Glaubensgemeinschaft einbringen, mutig vorausschauen.

Aufstehen ist eine Urerfahrung. Das beginnt schon morgens nach dem Schlaf. „Hauptsache jeden Tag aufstehen können“ das ist eine Redewendung vor allem bei älteren Leuten. Aufstehen ist zudem eine Grundhaltung, ja eine notwendige Lebenseinstellung. Und weil das gemeinsame Aufstehen im oben genannten Sinn gerade in dieser Situation und Zeit für alle wünschenswert wäre, haben wir in diesem Pfarrblatt das Thema „Aufstehen in schwieriger Zeit“ gewählt.

Das Titelbild zeigt einen österlichen Ausblick: Das Leinentuch (Grabtuch) wird zum Zeichen des Lebens, und zwar auf den zu Licht gewordenen Balken des Kreuzes, umgeben von den verklärten Wunden des Leids und der Gewalt. Und alles öffnet sich nach oben hin zur Auferstehung. Dieser Glaube und die Liebe haben die Menschheit und Christenheit durch all die Jahrhunderte aufstehen und weitergehen lassen.

Euch allen Gottes Segen. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020-21-1  Advent

„Das hast du gut gemacht. Danke“ oder „Das wirst du nie schaffen.“ Wir alle wissen um die Wirkung solcher und ähnlicher Worte. Die Macht des Wortes ist das Thema dieses Pfarrblattes. Worte können ermutigen, aufbauen, helfen und trösten, sie können aber auch verletzen, Energie nehmen, nieder-schmettern.

Worte schaffen Wirklichkeit. Vielfach sind wir beeinflusst von Schlagzeilen und Meldungen, die das Negative in der Welt verbreiten – und davon gibt es ja genug – aber es gibt auch die andere Seite, von der weniger die Rede ist. Diese ist aber ebenso erwähnenswert auch im täglichen Zusammenleben und Zusammenarbeiten.

Dann gibt es die bewusst verbreiteten Unwahrheiten und Irreführungen, die fake news. Es gibt Worte der Lüge, der Verleumdung, der falschen Freundlichkeiten, der Beschimpfungen und der Täuschung. Worte sind oft wie viele Federn, die vom Winde verweht nicht mehr eingesammelt werden können. So geht es mit unbedacht ausgesprochenen Worten, die den Mund verlassen haben.

Stellen wir uns einmal vor, alle Wörter ziehen sich aus dieser Welt zurück, weil der Umgang der Menschen mit den Wörtern nicht mehr tragbar ist, und die ganze Welt würde verstummen, wäre sprachlos – so beschrieben in einem Buch von Clemens Sedmak „Das Land in dem die Wörter wohnen“. Und die Wörter kehren erst wieder in diese Welt zurück, wenn die Menschen bereit sind, Worte wieder bedacht und sorgsam zum Wohl der anderen zu gebrauchen, und sich um die Wahrheit zu bemühen. Die Welt würde dann erneut eine Chance bekommen, Sprache im ursprünglichen Sinn einzusetzen: Menschen und Völker und Kulturen zu verbinden und zusammenzuführen, Worte der Aufrichtigkeit, der Ermutigung, des Mutes, der Klarheit, der liebevollen Kritik, der Freundlichkeit, des Humors, der Mahnung und des Trostes zu verwenden.

Wenn wir uns – biblisch gesprochen – vom Geist Gottes leiten lassen, können sogar Menschen verschiedener Sprachen einander verstehen, wenn sie wollen. Das Babel der Sprachenverwirrung, die es heute wie damals gibt, wird überwunden. Das ist eine ganz aktuelle Herausforderung an uns und unseren ganzen Planeten Erde, also im Kleinen und im Großen.

Orientierung kann dabei das Wort Gottes geben. Das sind keine verstaubten Texte aus alten Zeiten, sondern Gottes Wort ist durch und durch wahrhaftig, wirksam, heilend und aktuell. Im Schöpfungsbericht heißt es: „Gott sprach … und es wurde …“. Jesus sagte etwa zum Gelähmten: „Nimm deine Bahre und geh…“. Gottes Wort schafft Wirklichkeit. Auch heute. Schenken wir dem Wort Gottes Glauben.

Ein Lied im Gotteslob fasst dies so zusammen:
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht,
es hat Hoffnung und Zukunft gebracht.
Es gibt Trost, es gibt Halt, in Bedrängnis,
Not und Ängsten,
ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

Euch allen Gotts Segen Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020 - 4 Sommer, Herbst

DU BIST GERUFEN. Vieles geht von unserer  Person aus: Ich mache mir Gedanken bezüglich Schule, Beruf, Ausbildung, Freizeit, Schwerpunkte im Leben, Partnerschaft, Lebensweise, Weltanschauung usw. Ich habe meine Pläne und Vorstellungen. Oft werden wir aber auch gerufen: Menschen brauchen Hilfe, es ist etwas passiert, Freunde haben ein Anliegen, der Partner oder die Familie wollen meine Aufmerksamkeit, ein Verein wünscht, dass ich eine Leitungsaufgabe übernehme. Da kommt sozusagen ein Anruf  eines anderen zu mir. Aber auch wenn ich in mich selber  hineinhöre kann ich den Ruf (eines anderen) hören: Tu dies oder jenes, das ist jetzt wichtig oder nicht, entscheide dich so oder so. Einmal ist dieser Ruf leicht zu hören, ein anders Mal braucht es ein längeres Hineinhören.
Und wir können auch von Gott gerufen werden. Er ruft uns etwa durch eine innere Stimme oder durch einen Mitmenschen oder durch Situationen und Erfahrungen im Leben. Wir können hinhören und fragen: Wozu bin ich gerufen von Gott? Was ist sein Lebensentwurf für mich? Was ist sein Plan für mich? Wie schaut mein Weg aus in seinem Sinne? Welche Aufgabe hat er für mich bereit?Kann ich dann wie Samuel im Alten Testament sagen, nachdem ihn Gott gerufen hat: „Hier bin ich. Rede Herr, dein Diener hört (1Sam3,5.10)? Oder wie der Prophet Jesaja antwortet: „Hier bin ich, sende mich“( Jes 6,8)?
Vergleich dazu das Bild auf der Titelseite. Gott weiß am besten, was mir zum Heil gereicht und was mich letztlich zufrieden machen kann. Jesus, der Sohn Gottes, hat versucht, Gottes Pläne und seine Pläne in Einklang zu bringen. Es gibt so viel Möglichkeiten gerufen zu sein so viel wie es Menschen gibt. Du kannst gerufen sein: zu einem bestimmten Beruf, einer bestimmten Aufgabe, deinen Einsatz für ein Leben, in der Familie ein Kind zu erziehen, einen Kranken zu pflegen, einen Sterbenden zu begleiten, Neues zu schaffen, Altes zu bewahren, hilfsbereit zu sein, sich für eine Sache einzusetzen, jemanden zu trösten, humorvoll zu sein, in der Pfarrgemeinde mitzutun,...
Du kannst dieses Gerufen sein schlicht und einfach ohne tieferen Zusammenhang sehen, aber du kannst es auch als einen Ruf von Gott verstehen. Dann kann dein Tun und Denken noch eine andere Dimension bekommen: Du vertraust nämlich, dass Gott hinter dir steht, dass er dich segnet und begleitet, du kannst dein Wirken mit viel Motivation und viel Herzblut füllen. „Im Übrigen soll jeder so leben, wie der Herr es ihm zugemessen, wie Gottes Ruf ihn getroffen hat. Das ist meine Weisung für alle Gemeinden“ ( 1Kor7,17).
Euch allen Gottes Segen. Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020-3  Pfingsten

Wir hören seit längerer Zeit eigentlich fast nur mehr vom Thema „Corona“. Wie die Entwicklung diesbezüglich weitergeht wissen wir alle nicht. Natürlich hoffen wir für alle das Beste.

Das Anliegen dieses reduzierten Pfarrblattes ist es, Klarheit zu schaffen, wie der Weg der Pfarreien in der näheren Zukunft aussieht, basierend auf den Richtlinien der Diözese, der Bischofskonferenz und der Bundesregierung .

Über alle diese Maßnahmen hinaus gilt es den Blick auf die Gesamtsituation zu bewahren: Das Bewusstwerden von Endlichkeit und Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz wurde ebenso präsenter wie die Notwendigkeit von Solidarität, Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn. Krise hat in sich das Potential von Chancen, die sich auch in diesem Fall aufgetan haben und genutzt worden sind. Wo viel Dunkles ist, da ist dahinter oft das hellste Licht. Hoffentlich nehmen wir davon möglichst vieles mit in die Zukunft.

Andererseits hat diese Krise viele in ein soziales, wirtschaftliches, menschliches und psychisches Tief gestürzt und zwar weltweit; und die weiteren Folgen davon sind hoffentlich nicht zu drastisch. Hier braucht es jetzt schon, aber gerade noch auf weitere Sicht, viele hilfreiche Maßnahmen von allen Seiten.

Und wir brauchen Gottes Hilfe: Schau auf dich, schau auf mich, schau aber auch auf Gott. Ja, wir sollen die Vernunft gebrauchen, zudem ebenso auf Gott vertrauen. Wir werden immer wieder die Grenzen des Menschen erkennen – ob wir wollen oder nicht - denn der Mensch bleibt trotz seiner gewaltigen Begabungen und Möglichkeiten immer auch Geschöpf und damit nicht allmächtig, um alles im Griff zu haben, wie er manchmal meint.

Das Vertrauen in Gott ist die beste Motivation für ein Miteinander und Füreinander, für Eigenverantwortung, für den Einsatz an Hilfsbedürftigen auf der Schattenseite, die zum Teil um ihre Existenz kämpfen, und es macht frei von Ängsten. Wenn wir von dieser Einstellung im positiven Sinn infiziert und angesteckt werden, ist dies zum Segen für alle. Gemeinsam kann vieles bewältigt werden, gemeinsam sind wir stark!

Ganz entschieden ist aber auch hinzuweisen auf die vielen Krisenherde unseres Planeten, denen zurzeit kaum oder gar keine Aufmerksamkeit zukommt - im Großen und im Kleinen. Es gibt nicht nur Corona! Und es gibt viele andere Ursachen, an denen Menschen sterben. Unser Auftrag heißt Leben und die Hoffnung auf erfülltes Leben, nicht nur durch Mund/Nasenschutz und Social Distancing (Abstand halten). Bleiben wir wachsam und bewahren wir uns als freie und intelligente, mit Hausverstand, Mitgefühl und Liebe ausgestattete Personen das möglichst unbeeinflusste und eigenständige Denken, Urteilen und Handeln.

Euch allen Gottes Segen Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2020 - 2 Fastenzeit – Ostern

„Hoffe auf den Herrn und sei stark, hab festen Mut und hoffe auf den Herrn.“(Ps27,14) Wir haben bei dieser Ausgabe des Pfarrblattes das Thema Hoffnung gewählt. Von Anfang an liegt Hoffnung in uns wie ein Samenkorn. Diese Lebenskraft und dieser Lebenswille begleiten den Menschen vom ersten bis zum letzten Augenblick. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die werdende Mutter ist in guter Hoffnung. Man hofft auf ein Kind, das gesund und stark wird. Verletzt sich ein Kind läuft es zur Mutter oder zum Vater und hofft, dass alles wieder gut wird. Man hofft in vielerlei Hinsicht: dass die Schule positiv abgeschlossen wird, der Beruf und das Berufsklima passt, einem guten Freund zu begegnen, die Partnerschaft oder Ehe erfüllend und von Dauer ist, die Familie einem trägt. Der Kranke hofft auf Genesung, andere sehnen sich nach Frieden und Zufriedenheit oder nach Versöhnung und Verständnis, nach einer Wohnung, dass sie mit dem Einkommen auskommen oder sich aus einer Spirale der Not oder Gewalt befreien können und Hilfe erfahren. Der Bauer hofft bei der Aussaat auf eine gute Ernte, unser Tun und Schaffen soll nach Möglichkeit Früchte bringen, beim Gewitter wünscht man sich, dass es nicht zu heftig wird und vorbeizieht. Im Alter wird rückblickend gehofft auf ein wertvolles Leben, vorausblickend wünscht man sich einen guten Übergang und ein Sterben ohne Qualen, und bei Gott ein Wiedersehen mit allen Menschen, die einem lieb und teuer waren oder sind. Ganz massiv ist bei vielen die Hoffnung auf einen lebenswerten und heilen Planeten Erde. Ja die ganze Schöpfung und damit auch wir Menschen als Teil davon sind „wie in Geburtswehen“ und hoffen auf Vollendung durch Gott (Röm8,22). Bei den vielen kleineren und mittelfristigen Zielen gilt es sich auch diese auf Ewigkeit bezogene Hoffnung zu vergegenwärtigen.

Weil sie so wesentlich für uns sind, werden sie göttliche Tugenden genannt: Glaube, Hoffnung und Liebe. Alle drei sind sie miteinander eng verbunden, sie bedingen und ergänzen einander. Es sind ganz lebensbejahende und lebensnotwendige Tugenden. Ein bekanntes Symbol für die Hoffnung ist der Anker, weil wir in der Hoffnung einen „sicheren und festen Anker der Seele“ haben(Hebr 6,19). Verankert ist diese Hoffnung für uns vor allem in Gott, bzw. in Christus oder der Gnade, der liebenden Zuwendung durch Gott: „Auf ihm ruht unsere Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft retten wird“(2Kor1,10), „Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“(Jer29,11),“Lasst euch nicht von der Hoffnung abbringen, die euch das Evangelium schenkt“(Kol1,23),… das sind nur einige von den vielen ermutigenden und trostvollen Worte in der Bibel zu diesem Thema. Zusammenfassend habe ich einen Wunsch an euch alle: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes“(Röm15,13). In der Hoffnung, dass dieses Pfarrblatt bei euch wieder eine wohlwollende und gute Aufnahme findet grüßt euch von Herzen Euer Pfarrer Alois Juen

 

„eini g’schaug“ 2019/20 -1 Weihnachtszeit

„Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“ (Mt5,9). Frieden ist mehr als kein Krieg. Frieden liegt im Wohlbefinden mit der Natur, mit sich selber, den Mitmenschen und mit Gott zu leben. Wer Krieg, Verzweiflung oder Entbehrung durchleben muss, der hat nur einen Wunsch: Frieden. Und er sieht den Frieden als großen Schatz an. Frieden sollte nie für selbstverständlich genommen wer- den, denn Gleichgültigkeit schwächt ihn, und es können dann leicht Keime von Streit, Gegeneinander und Gewalt wieder aufkommen. Deshalb ist das bewusste tägliche Bemühen um Frieden ganz wichtig, der Respekt, die Achtsamkeit und die Wertschätzung. Auch die soziale Gerechtigkeit, bei der alle einen Zugang zu den wesentlichen existentiellen Lebensgrundlagen haben ist dabei eine unverzichtbare Voraussetzung.

Nicht zu vergessen sind die vielen “Kriege“ auf geistiger Ebene, wo Menschen sich gegenseitig terrorisieren, verletzen und gar seelisch „töten“. Das bringt viel unnötiges Leid und Unglück über unseren Planeten. Dabei geschieht dies nicht selten anonym, ohne sich zu outen. Vor allem hier sollte der Einsatz gegen die Zerstörung und Verschmutzung unserer Erde beginnen. Ganz notwendend wäre hier zunächst der Friede im eigenen Herzen, weil unser wahres Inneres oft ausstrahlt, so oder so. Der Glaube, eingebettet in die Liebe, ist die beste Hilfe zum Frieden. Die lebendige gesunde Verbundenheit mit Gott ermöglicht eine ehrliche und liebevolle Verbundenheit mit den Mitmenschen. Im Tiefsten kann uns letztlich Gott Frieden geben und um diesen können wir nie genug beten. Wie Jesus gesagt hat: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“(Joh14,27). Er verheißt uns einen Frieden, den uns die Welt nicht geben kann. Denn der Friede in dieser Welt wird immer zerbrechlich bleiben so wie die Liebe. Er aber sagt, er habe die Welt besiegt, jene Welt, die sich von Gott abkapselt und sich selbst zerstört. Das heißt, in ihm und in der Gemeinschaft mit ihm beginnt der end- gültige und bleibende Friede. Er gibt uns den Ausblick auf das vollendete Reich Gottes, wenn er wiederkommt. Überall dort, wo hier und heute Friede möglich ist und wir uns für diesen einsetzen und so Werkzeug des Friedens sind, da können die Menschen ein Stück von diesem ewigen Frieden spüren und aufleuchten lassen. In der Liturgie heißt es: “Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch“. Das erbitte ich mit euch und für euch von ganzem Herzen.  Euer Pfarrer Alois Juen

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